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Auf der Reise zu mir Selbst

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Mein Weg in die Freiheit

Aufgewacht. Job gekĂŒndigt. Auf Weltreise gegangen. Klingt einfach, war aber ein monatelanger Prozess, der mit vielen Höhen und Tiefen verbunden war. Warum und vor allem wie ich es trotzdem geschafft habe, mutig zu sein und meine Komfortzone zu verlassen, liest du hier.

Ich bin Barbara, 34 Jahre alt und eigentlich mĂŒsste ich jetzt wieder im Klassenzimmer stehen und GrundschĂŒler unterrichten. Eigentlich. Denn dieses Jahr ist alles anders: aktuell befinde ich mich in Mittelamerika.

 

Wie alles begann


„Eines Tages wirst du aufwachen und keine Zeit mehr haben fĂŒr die Dinge, die du immer wolltest.“ – Paulo Coelho

Jeder kennt solche Zitate, die einen dazu ermutigen (sollen), das Leben JETZT zu leben und wirklich das zu tun, was man wirklich will. Wenn ich so zurĂŒckblicke, hat es bei mir wirklich sehr lange gedauert, bis diese Botschaft bei mir ankam.

Vor zehn Jahren hatte ich meinen ersten Tag als Grundschullehrerin und eigentlich war mir ziemlich schnell klar, dass das nicht das Richtige fĂŒr mich ist. Schwierige Kinder, ungute Stimmung im Kollegium und immer mehr diese (fast nicht auszuhaltende) LautstĂ€rke machten mir die nĂ€chsten Jahre sehr zu schaffen. Da ich aber meine Arbeit trotzdem immer gut machte, von Kindern, Eltern und Kollegen positives Feedback bekam, stand es nie zur Debatte, an dieser Situation etwas zu Ă€ndern. Traurig war aber – die Devise hieß „Aushalten“.

Meine „Flucht“ waren immer die Sommerferien. Sechs Wochen Zeit fĂŒr mich. Ruhe. Keine Schule. Selbstbestimmung. Vor einigen Jahren reiste ich mit einer Freundin das erste Mal nach SĂŒdamerika (Peru und Bolivien) und danach war es um mich geschehen. Meine Liebe fĂŒr den sĂŒdamerikanischen Kontinent war geweckt. Und noch mehr. Ich entdeckte diese Reiselust in mir, die gestillt werden wollte.

Zudem wurde mir auf dieser ersten Fernreise klar, dass ich ALLEINE reisen möchte. Ich brauche einfach mehr Zeit fĂŒr mich. Ruhe. Ich möchte selbst entscheiden, wo es am nĂ€chsten Tag hingeht oder in welchem Hotel ich ĂŒbernachte. Mir macht es Spaß, Zeit mit mir zu verbringen, meinen Gedanken nachzuhĂ€ngen, zu lesen und Podcasts zu hören. Und wenn ich doch mal Lust auf Gesellschaft habe: Man kommt auf der Reise immer wieder mit Menschen ins GesprĂ€ch und gelegentlich ist auch mal jemand dabei, bei dem die WellenlĂ€nge stimmt.

 

KĂŒndigung?

Nachdem meine Lust am Reisen geweckt war, verbrachte ich die Sommerferien in SĂŒd- und Mittelamerika. Ich schickte meine SchĂŒler in die Ferien und saß wenige Tage spĂ€ter im Flieger nach Kolumbien, Ecuador, Kuba oder Costa Rica. FĂŒr mich waren diese Wochen immer das Highlight des Jahres!

Das waren sechs von insgesamt 52 Wochen, aus denen das Jahr besteht. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Sechs Wochen im Jahr mache ich das, was mir wirklich Spaß macht und das, was ich wirklich will. Und die restliche Zeit des Jahres? „Gefangen“ in einem Job, der mir keine wirkliche Freude bereitet? Leben fĂŒr das Wochenende und die nĂ€chsten Ferien?

Bitte nicht falsch verstehen: Das Lehrersein war nicht nur schlecht. Sonst hĂ€tte ich das auch nicht zehn Jahre „ausgehalten“. Aber es hat mich einfach nicht erfĂŒllt. Ich hatte immer das GefĂŒhl, da muss noch mehr sein. Ich wollte frei sein, mein Leben selbst bestimmen, reisen, die Welt sehen.

Letztes Schuljahr kam dann der Stein ins Rollen. Begonnen hat es damit, dass ich aus Costa Rica zurĂŒckkam und am liebsten direkt wieder umgedreht wĂ€re, als ich zu meiner Wohnung lief. Nach wenigen Schultagen war ich wieder im Alltag zurĂŒck und die Reiseerinnerungen verblassten allmĂ€hlich.

Je mehr ich mich mit Persönlichkeitsentwicklung beschĂ€ftigte, umso mehr entstand dieser Gedanke in meinem Kopf, dass ich wirklich etwas Ă€ndern möchte. Nicht mehr einfach das Leben „passieren“ lassen, sondern aktiv werden.

Definitiv ein SchlĂŒsselmoment in meinem Entscheidungsprozess war, als ich nach einem Unterrichtsbesuch bei meiner Rektorin im BĂŒro saß und sie mir nur diese eine Frage stellte: „Macht Ihnen der Beruf Spaß?“ Ich brach in TrĂ€nen aus und von diesem Moment an war mir klar, dass ich etwas Ă€ndern musste, dass es so nicht weitergehen konnte. Keine Ahnung, wie lange ich noch auf dieser Welt sein werde, aber so konnte und wollte ich nicht weitermachen.

Obwohl die Entscheidung zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon getroffen war, vergingen noch einige Monate, bis ich die KĂŒndigung dann tatsĂ€chlich einreichte. Am 18.1.2018 war es dann soweit. Ich stellte einen Antrag auf Entlassung. (Ja, so heißt das bei Beamten.) Dem Antrag wurde stattgegeben und ich beendete noch das laufende Schuljahr mit meiner vierten Klasse.

 

Freiheit

Die Zeit schien teilweise ĂŒberhaupt nicht zu vergehen. Das Ende des Schuljahres in weiter Ferne und ich innerlich schon mit dem Lehrerleben abgeschlossen. Das war teilweise wirklich nicht einfach. Hinzu kam, dass meine Entscheidung nicht nur auf begeisterte Zustimmung stieß. Vor allem die Tatsache, dass ich abgesehen vom Reisen keinen Plan hatte, was ich mit meinem Leben machen will, war gerade fĂŒr meine Eltern schwer nachvollziehbar.

Manche Dinge brauchen aber vielleicht einfach eine gewisse Zeit. Mittlerweile stehen meine Eltern hinter mir und haben akzeptiert, dass ich einen Weg eingeschlagen habe, der ein bisschen anders ist und nicht ganz der Norm entspricht.

27.7.2018: Letzter Schultag in Bayern. Das war der Tag der Tage. Ich war endlich frei! Ich kann dieses GefĂŒhl gar nicht in Worte fassen und wĂ€hrend ich das schreibe, bekomme ich schon wieder GĂ€nsehaut. Das zeigt aber nur zu deutlich, wie richtig diese Entscheidung war.

Drei Tage spĂ€ter saß ich im Flieger nach Panama, um meine Weltreise zu starten. Ohne Plan, ohne Ziel, aber glĂŒcklich ĂŒber die neu gewonnene Freiheit! Meine persönliche Reise zu mir selbst. Denn mich habe ich immer dabei, egal wohin ich reise.

 

Mut

„Du bist so mutig! Ich wĂŒrde mich das nicht trauen!“ Diese oder Ă€hnliche SĂ€tze bekam ich die letzten Monate sehr oft zu hören. Immer wieder stellte ich mir die Frage, ob ich wirklich mutig bin oder vielleicht doch naiv? NatĂŒrlich gehört Mut dazu, eine solche Entscheidung zu treffen, den Beamtenstatus zu kĂŒndigen und alleine auf Reisen zu gehen. Aber die viel wichtigere Frage ist doch: Was wĂ€re, wenn ich es NICHT machen wĂŒrde? Ich bin mir ganz sicher, dass ich es dann bereuen wĂŒrde.

Eine Freundin brachte es auf den Punkt: „Barbara, ich finde es toll, dass du das machst. Das ist nur konsequent.“ Diese Worte gehen mir nicht mehr aus dem Kopf, weil sie einfach so wahr sind. Klar bin ich auch mutig, aber vor allem bin ich konsequent. Mein höchster Wert ist Freiheit und ich kann kein Leben fĂŒhren, das diesem Wert keinen Raum bietet.

Jetzt bin ich seit sechs Wochen auf meiner Reise unterwegs und natĂŒrlich gibt es Höhen und Tiefen, aber ich weiß, dass das der fĂŒr mich richtige Weg ist. Was danach kommt? Ich weiß es nicht. Und ich versuche, mir nicht den Kopf darĂŒber zu zerbrechen. Wir haben nur diesen einen Moment und der ist JETZT. Und diesen Moment möchte ich genießen, in der Natur, beim Eintauchen in fremde Kulturen, in der Begegnung mit Menschen, auf meiner Reise. Auf meiner Reise in verschiedene LĂ€nder, aber vor allem auch zu mir selbst. Was will ich in meinem Leben wirklich?

 

Inspiration

Befindest du dich vielleicht in einer Ă€hnlichen Situation? Ich hoffe auf jeden Fall sehr, dass ich dich mit meiner Geschichte ein bisschen inspirieren konnte. Es muss ja nicht immer so eine krasse Entscheidung wie eine KĂŒndigung sein.

Aber ich glaube schon, dass es wichtig ist, sich immer wieder seine Werte bewusst zu machen und zu ĂŒberprĂŒfen, ob man sein Leben im Einklang mit ihnen lebt. Und dann können es ja auch kleine Dinge sein, die man bewusst Ă€ndert, um ein erfĂŒllteres Leben zu fĂŒhren.

In meinem Fall war nun mal dieser große Schritt aus der Komfortzone notwendig und ich habe ihn bis jetzt nicht bereut!

 

„Wer denkt, Abenteuer seien gefĂ€hrlich, sollte es mal mit Routine versuchen: Die ist tödlich.“ – Paulo Coelho

 

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Barbara ist 34 Jahre alt und reist momentan um die Welt. Davor arbeitete sie acht Jahre lang als Grundschullehrerin in Oberbayern, bis sie merkte, dass das nicht alles sein kann, und sie ihren Job kĂŒndigte. Nun befindet sie sich auf einer Reise um die Welt und vor allem aber auch zu sich selbst. Auf www.travelbookscoffee.com gibt sie ihren Lesern Einblicke in den „Reisealltag“ und was sie sonst noch so beschĂ€ftigt.

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Bildquelle: von Barbara selbst geknipst und mit freundlicher Genehmigung hier veröffentlicht

 

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