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Bewusst Lieben – Wie wir geprägt werden und warum Liebe neu interpretiert werden muss

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Die Vorteile von mehr Bewusstsein im Leben sind mittlerweile in vielen Lebensbereichen angekommen. Doch ein wichtiger Bereich wird meiner Meinung nach noch viel zu unbewusst gelebt: Liebe und Partnerschaft.

Bewusst leben ist mittlerweile vielen ein Begriff. Wir schauen, dass wir uns gesünder ernähren, vielleicht weniger Fleisch essen, weil wir durch eine Vielzahl von Studien und Berichten erfahren haben, dass es einen positiven Einfluss auf unseren Organismus hat. Ebenso verhält es sich mit Sport und Bewegung, sich bewusst Zeit für den eigenen Körper zu nehmen, ist bei vielen von uns Priorität geworden und kommt durch das Bewusstsein, dass es wichtig für die Gesundheit ist. Bei manchen von uns ist vielleicht auch schon die Meditation in den Alltag eingezogen, sich bewusst Zeit für das Hier und Jetzt zu nehmen, ist mittlerweile durch zahlreiche Studien und Berichte bewiesen, eine Wohltat für Körper und Geist.

Warum machen wir das, bewusst leben?

Ich würde behaupten, wir machen das um unsere eigene Lebensqualität zu verbessern oder beizubehalten. Sodass wir möglichst lange gesund bleiben und ein Leben führen können, das wir uns wünschen.

Bei der Liebe, also der Liebe zu uns selbst und zu anderen sind wir weitaus weniger bewusst.

 

Woher wir lieben lernen

Von Liebe und Beziehung erwarten wir, dass es einfach so klappt. Unsere Liebensfähigkeit in der Partnerschaft wird allerdings geprägt von der ersten Beziehung , die wir in unserem Leben erleben. Die Beziehung unserer Eltern, ob diese stattfand oder nicht, sie prägt uns ein Leben lang.

Wir saugen quasi mit der Muttermilch auf, was wir über Männer und Frauen denken, welche Erwartungen wir an Partnerschaft haben, was eine „gute Ehe“ ausmacht, wie man streitet, oder Konflikte vermeidet. Das alles nehmen wir unbewusst auf. Diese Prägung fällt uns meistens dann auf, wenn wir uns dabei erwischen, wie wir Sätze sagen, die unsere Eltern früher zueinander gesagt haben. Oder ein Verhalten an den Tag legen, das wir so nur von unseren Eltern kennen.

Doch nicht nur das Verhalten und die Einstellung unserer Eltern zu Liebe und Partnerschaft prägt unser Verhalten. Auch Selbstbilder und limitierende Glaubenssätze, die wir aus der Kindheit mit uns rumtragen, werden meist in der Beziehung von unserem Partner getriggert.

Unser Bild von Liebe, ob wir uns als liebenswürdig sehen und wie wir innerhalb einer Beziehung miteinander umgehen, wird demnach maßgeblich von unserer Kindheit geprägt.

 

Wie Filme und Serien unsere Beziehung ruinieren

Doch nicht nur unser Elternhaus prägt unser Bild von Beziehung, sondern auch Bilder von Beziehung und Liebe, die wir um uns herum geziegt bekommen. Filme, Serien und Magazine zeigen uns auf, „worauf es ankommt“ bei „dem Richtigen“.

Dadurch werden wir schon früh an eine Erwartungshaltung herangetragen, dass es „richtig“ und „falsch“ gibt. Gerade in der Adoleszenz, auf der Suche nach Identität und Anerkennung, fallen Bilder, welche Vorgaben machen was „cool“ oder „uncool“ ist, auf fruchtbaren Boden. Sie prägen, wie wir uns den „perfekten Partner“ vorstellen, oder was wir tun müssen, um unsere Liebe zu zeigen.

Gerade Sendungen, in denen Kanidatinnen um das Herz des Junggesellen buhlen und es darum geht, am tollsten auszusehen, sich am Besten zu verhalten und zu bezirzen, vermitteln ein Bild von Beziehung und Liebe, das oberflächlicher nicht sein könnte. Wer schön, jung, gewitzt ist, bekommt am Ende den „Prinzen“ oder die „Prinzessin“.

Vom fraglichen Frauen- und Männerbild mal abgesehen, wird vermittelt:

  1. Für Liebe und Partnerschaft muss ich auf eine gewisse Art&Weise sein, aussehen, mich verhalten oder etwas besonderes erreicht haben.
  2. Es gibt DEN einen „richtigen Partner“
  3. Partnerschaft ist DAS Lebensglück und teilweise auch Lebensziel

Hier einige Erklärungen warum sind diese Annahmen für eine erfüllte Beziehung Gift sind:

 

Annahme 1: Liebe muss man sich verdienen

Nehmen wir die erste Annahme, dass man, um Liebe und Partnerschaft zu „bekommen“ etwas bestimmtes erreicht haben muss, oder verkörpern muss. Diese Annahme impliziert, dass äußere Faktoren für unser Liebesglück verantwortlich sind. Und dass wir mangelhaft sind. Nur wenn wir dies oder jenes tun, sind wir liebenswürdig. Nur wenn wir auf eine bestimmte Art aussehen, finden wir den Partner fürs Leben.

Wir verlieren uns in Bildern und wissen am Ende gar nicht mehr, wer wir eigentlich sind. Und noch schlimmer, wir entfernen uns dadurch von der Person, die wir eigentlich sind und somit von dem was uns einzigartig macht.

 

Annahme 2: Es gibt den „Richtigen“

Wenn wir davon ausgehen, dass irgendwann der Traumprinz oder die Traumprinzessin an die Tür klopft und dann alles „perfekt“ läuft impliziert es ein trügerisches Bild von Beziehung: nämlich, dass die „perfekte“ Beziehung bedeutet keine Unstimmigkeiten und Konflikte zu haben. Dass dieses Bild allerdings eine Illusion ist, bemerken wir spätestens nachdem das Hormonfeuerwerk der Anfangszeit abgebrannt ist.

Doch mit der Annahme, dass es scheinbar nicht der oder die „Richtige“ war, weil es Konflikte gab, schieben wir die Verantwortung völlig von uns weg. „Es war halt nicht der Richtige“. Und so gleiten wir in die nächste Partnerschaft, mit unseren gleichen Mustern und Vorstellungen.

 

Annahme 3: Mach mich glücklich!

Und so kommen wir zur dritten problematischen Annahme, die durch die Medien vorallem Frauen vermittelt wird: einen Partner zu haben, wird mich „endlich“ glücklich machen. Mit dieser Annahme werden wir sicherlich das Gegenteil von glücklich, zumindest auf lange Sicht gesehen. Denn mit dieser Annahme geben wir die Verantwortung unseres Glücks nach Außen ab.

„Jemand wird mich schon fixen“, durch den „Richtigen“ werde ich endlich glücklich“. Dadurch machen wir uns Wohlbefinden und Glück abhängig davon ob wir eine Partnerschaft haben oder nicht. Diese Abhängigkeit ist besonders problematisch für unsere Authentizität innerhalb der Beziehung. Denn wir denken, wir müssten uns auf eine bestimmte Art und Weise verhalten um geliebt zu werden, reagieren wir auf Situationen und Erwartungen angepasst.

Wir leben dadurch aber nicht unser wahres Selbst. Unser Verhalten wird dadurch geprägt, wie wir denken, dass es richtig ist, oder der Partner es so haben will. Was wir dabei allerdings vergessen, ist uns selbst und was uns glücklich macht.

Wir machen uns abhängig von Faktoren, die wir nicht beeinflussen können, also beispielsweise, ob unser Partner etwas gut findet oder nicht, ob er Zeit mit uns verbringen will oder nicht. Diese Unwissenheit resultiert in eine schleichende Ohnmacht. Wir haben es schließlich nicht in der Hand, denn schließlich können wir ja nichts machen, denn das Glück kommt ja durch die Partnerschaft.

Somit wird jeder Streit, jede sich anbahnende Auseinandersetzung vermieden, um das Glück zu behalten. Die Konsequenz aus Vermeidung und übermäßiger Anpassung entfernt uns jedoch von uns selbst, von unseren eigenen Bedürfnissen und vielleicht auch von unseren eigenen Werten.

Was haben alle drei Annahmen gemeinsam? Sie schwächen unser starkes ICH. Wir werden vernebelt mit Bildern und Verhaltensweisen, die gar nicht unsere sind und uns meisten auch nicht guttun.

 

Was können wir also tun?

Nun zunächst gilt es meiner Meinung nach, den Begriff Liebe zu definieren. Oft wird Liebe als ein eigenständiges Gefühl beschrieben, welches kommt und geht. Ich habe oft den Eindruck, dass Verliebtsein und Liebe synonym verwendet wird. Für mich ist Liebe allerdings kein Gefühl, welches einfach so reingeflattert kommt, sondern ist eine Fähigkeit, die wir bewusst neu erlernen müssen.

Denn meistens erlernen wir die Liebesfähigkeit, unbewusst von unserem Elternhaus. Mit diesem Bild, wie Liebe und Beziehung „funktioniert“ gehen wir in die Welt raus und denken, dass alle das selbe Bild haben. In den ersten Beziehungen stellen wir dann fest, dass es unterschiedliche Auffassungen zu dem Thema gibt. Durch andauernde Streits und Missverständnisse folgt dann oftmals die Trennung.

In dem wir uns bei den kleinsten Irritationen von unserem Partner trennen, berauben wir uns jedoch der Möglichkeit eine glückliche Beziehung zu führen. Es klingt paradox, aber durch die Konflikte und Unstimmigkeiten bietet sich uns die Chance, mehr über uns selbst zu erfahren. Denn eine Partnerschaft spült immer auch die eigenen unaufgearbeitet Themen an die Oberfläche.

Ein Beispiel: wenn wir Verlustängste aus unserer Kindheit unbewusst in uns tragen, wird jede Situation, welche wir selbst als potentielle Trennung interpretieren, als Bedrohung wahrgenommen. Sofort und meist unbewusst, wenden wir Strategien an, um den Schmerz zu vermeiden. Strategien können in dem Fall verschiedene Verhaltensweisen sein, von Anpassung an den Anderen, über Abstoßung des Anderen.

Die Wahrnehmung und Interpretation einer Situation mit unserem Partner prägt unser Verhalten. Dabei ist es selten die aktuelle Situation mit dem Partner, die uns tief verletzt, sondern das was wir da rein interpretieren. Ein anderer Mensch an unserer Stelle, würde die gleiche Situation vielleicht anders wahrnehmen und auch anders reagieren.

 

Wie du eine erfüllte Beziehung führen kannst

Wir können durch konstruktive Arten und Weisen unsere Liebesfähigkeit verstärken, in dem wir in einer Beziehung zu uns selbst, zu unserem starken ICH weiterhin authentisch leben und zeigen. Denn meiner Meinung nach sind die Grundpfeiler einer glücklichen Beziehung, zwei starke ICHs. Zwei Menschen, die sich ihrer Selbst bewusst sind. Die sich selbst im Austausch mit ihrer Umwelt reflektieren.

Was meine ich genau damit? Es sind Menschen, die ihre Stärken und Werte kennen und leben. Menschen, die die volle Verantwortung für ihr Leben übernehmen. Die sich ihrer Prägungen und Verletztungen bewusst sind und auch dafür die Verantwortung übernehmen. Diese zwei starken ICHs formen dann ein starkes WIR, eine Partnerschaft, in der ehrlich kommuniziert wird, in der man über die eigenen Trigger- und Schmerzpunkte weiß, aber auch die des Partners kennt.

Und das ist meistens die erste Hürde auf dem Weg zum bewussten Lieben: mutig zu sein, sich zu offenbaren und der Angst vor Zurückweisung und Bewertung standzuhalten. Ja, es ist eine große Herausforderung, aber hinter dieser Hürde liegt, die Tiefe und Verbundenheit, die wir uns oft so sehr wünschen.

 

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Über den Autor:

Mein Name ist Jennifer Lacher, ich bin Life-& Businesscoach mit dem Schwerpunkt Beziehung und Partnerschaft. Mit bewusstlieben ist meine Mission mehr Bewusstsein in das Thema Liebe zu bringen und mehr Menschen dazu einzuladen, Partnerschaft auch als eine Möglichkeit zu sehen gemeinsam zu wachsen. Ich möchte Menschen dazu inspirieren und bestärken ihr starkes ICH zu finden und zu stärken. Denn wenn wir wissen, wer wir sind, was wir im Leben wollen und welche Ziele wir haben, halten wir die wertvollsten Tools in der Hand für die Höhen und Tiefen des Lebens, ob alleine oder innerhalb einer Partnerschaft.

Kontaktdaten: www.bewusstlieben.de
Instagram: @Jennifer_bewusstlieben
Facebook: bewusstlieben


Titelbild: unsplash.com

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