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Einsamkeit und Verbundenheit im digitalen Zeitalter

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Über heilsame Kleinigkeiten und die Möglichkeiten, sie wahr werden zu lassen.

Ein Artikel von Ben РDie Einsamkeit des Einzelnen zwischen Millionen von Menschen ist subjektiv. Dieser Artikel geht darauf ein, wie wir mehr Verbundenheit schaffen können. Denn ich finde, das ist, was wir brauchen. Zwischen all den Möglichkeiten, sich digital zu vernetzen, fehlt eben doch etwas: Wir brauchen das Zwischenmenschliche. Mit den richtigen Personen. Und die sind manchmal nah, manchmal fern, oder wohnen unbekannterweise gleich nebenan.

 

Einsamkeit und wie man damit umgeht

Mein ganzes bisheriges Leben lang habe ich mich extrem einsam gef√ľhlt. Obwohl ich nie st√§ndig allein war, viele Freunde und Bekannte hatte, war das Gef√ľhl von Verbundenheit zu ausgew√§hlten Menschen nie so stark wie heute. – Einsamkeit ist subjektiv. Der eine erlebt sie so, der andere so. Und es braucht eben die „passenden“ Leute. Besser man schafft sich sein Umfeld selbst. Das bedeutet auch, alte Verbindungen loszulassen. Leider sind durch meinen Umzug auch manche angenehmen Verbindungen nicht mehr aktiv. Kann ja aber wieder werden.

Was sich noch ver√§ndert hat? – Meine innere Haltung. Ich habe meine vermeintlich sch√ľtzende R√ľstung abgelegt, die zwar wenig an mich heranlie√ü, aber auch nichts von mir heraus. So konnte keine gute (tiefere) Verbindung entstehen, weil die Kommunikation immer gest√∂rt war. Die R√ľstung bestand aus kaum wahrnehmbaren √Ąngsten aller Art. In unterschiedlichen Auspr√§gungen. Und das n√§hrte sich gegenseitig. Die Angst f√ľhrte zu Einsamkeit, die Einsamkeit best√§rkte die Angst. Ein Teufelskreis.

Manchmal brauchen wir die Einsamkeit, um zu reflektieren, zur Ruhe zu kommen, oder um zu arbeiten. Ich persönlich brauche sie oft, um meinen Akku wieder aufzuladen. Es ist wichtig zu verstehen, wozu man selbst die Einsamkeit sucht.

Wenn man nur davonl√§uft, sich passiv abgrenzt, oder meint Ablehnung zu erfahren, wo keine ist, dann kann das zur Vereinsamung f√ľhren. Und das wiederum f√ľhrt auch gern mal zum oben genannten Teufelskreis. Falsche Annahmen best√§tigen sich, wenn man danach schaut.

Wir alle tragen Masken und spielen Rollen. All das nur mit einem Ziel: Verbundenheit. Denn wir Menschen sind nun mal „Herdentiere“. Das ist fest in uns verankert. Solange diese Masken und Rollen nicht dazu f√ľhren, uns selbst ganz zu verlieren (wie ich es erlebt habe), ist es einigerma√üen ertr√§glich. Die Frage ist, will ich das? Reicht es mir, wenn es „ertr√§glich“ ist?

Wie oft sind wir tief entt√§uscht, dass wir uns so viel anpassen m√ľssen, um dazu zu geh√∂ren? K√∂nnen wir nicht einfach wir selbst sein? Was bedeutet das? Gibt es ein Leben ganz ohne Masken √ľberhaupt?

Ich wei√ü jetzt, dass der beste Weg zu einem guten, erf√ľllten Leben erst zur√ľck zu sich selbst und dann nach oben geht. Nur so wei√ü man doch, was ein gutes Leben ausmacht. Kein anderer kann das f√ľr mich herausfinden.

Wie findet man sich selbst? Ja die Antwort ist teilweise paradox: Durch den Austausch mit anderen Menschen. Es braucht beides, Einsamkeit (Eigenständigkeit, Autarkie, Reflexion) und Verbundenheit, Gemeinschaft. Nur durch die Spiegelung unseres Selbst wird das eigene Bild vollständig(er).

 

„Wahrer Fortschritt beginnt mit etwas, was keine Wissensgesellschaft produzieren kann: Weisheit dar√ľber, was ein gutes Leben bedeutet.“ – Rutger Bregman

 

Let’s connect and make a difference

 

Auf Instagram hatte ich eine Frage gestellt, welche Kleinigkeiten unser jeweiliges St√ľck Welt, unser Umfeld, ein wenig besser machen w√ľrden… Daraus ging hervor, was wir uns alle mehr w√ľnschen:

Mitgef√ľhl, Empathie, R√ľcksichtnahme, Aufmerksamkeit, gewidmete Zeit f√ľreinander, Achtsamkeit, Wertsch√§tzung, mehr echten Glauben an gro√üe Ziele, weniger Verdr√§ngen, Liebe, L√§cheln und Respekt, Gemeinschaft und damit echte Verbundenheit.

Das ist nicht nur zur Weihnachtszeit ein Thema. All das zusammen, wenn wir es ausleben, macht unser St√ľck ‚ÄěWelt‚Äú jeden Tag etwas besser. Wenn viele mitmachen, geht es einmal rum und entfaltet seine Wirkung.

W√§hrend ich diese Zeilen hier schreibe, sitze ich allein vor dem Rechner und friere ein wenig. Wenn ich nicht w√ľsste, dass dieser Artikel von Dir gelesen wird, dann w√§re das echt traurig. Und das ist meiner Meinung nach das Dilemma der digitalen Welt…

 

Wir haben mehr Möglichkeiten denn je, uns zu vernetzen, doch irgendwas fehlt

„Der wahre Rohstoff, der in der Zukunft rar sein wird, ist die Aufmerksamkeit der Menschen.“ – Satya Nadella (CEO, Microsoft)

 

Alles spricht √ľber Digitalisierung und Vernetzung, selbst die Wirtschaft wandelt sich in eine „Connection Economy“. Und doch erleben wir eine Entfremdung durch die Illusion von Gemeinschaft. Wo finden wir wahrhaft Gleichgesinnte?

Und meiner Meinung nach wird das immer schlimmer. Wir nutzen unsere Smartphones unz√§hlige Male am Tag. Was uns mehr Verbindung zu unseren Mitmenschen bringen soll, kann zu einer neuen Form der Vereinsamung f√ľhren und auch zur so genannten FOMO: Fear Of Missing Out, die Angst etwas zu verpassen.

Diese Angst wiederum wird sch√∂n eifrig gen√§hrt durch die falsche Glitzer-online-Welt der √ľbertrieben ‚Äěpositiven‚Äú Menschen. Leute, die es angeblich ‚Äěgeschafft‚Äú haben. Bis sie eines Tages in den Nachrichten zum Thema werden, weil sie Selbstmord begangen haben oder wie ein Zombie aussehen von all den Drogen.

Dieses wenig authentische Glitzermenschenbild vermittelt uns dann sogar noch eine stetige Unzul√§nglichkeit. Das kann man ja durchaus beeinflussen, indem man so etwas meidet und authentische Menschen bevorzugt. Und doch ist es allgegenw√§rtig. Ich bin sehr froh √ľber meine Entscheidung zur Mediendi√§t. Seit 3 Jahren nun meide ich diesen Bullshit fast g√§nzlich.

Bleiben noch die sozialen Medien. Dort „vernetzen“ wir uns, „treffen“ uns virtuell in Facebook Gruppen. Und doch ist es eben nicht dasselbe. Wir scrollen durch den Feed, liken Bilder, kommentieren. Und dann hoffen wir, dass etwas zur√ľckkommt. Das l√§sst in uns die Illusion von Verbindung entstehen. Wenn wir das Handy weglegen, ist ja auch nach kurzer Zeit schon wieder der Impuls da, nochmal nachzusehen. FOMO. Du kennst das sicher auch.

F√ľr die digitalen Arbeiter und Nomaden gibt es nicht umsonst unz√§hlige Co-Working-Spaces. Wer will schon allein – wie ich jetzt beim Schreiben – irgendwo herumhocken? Mittlerweile schreibe ich meine Entw√ľrfe auch gern im Caf√© um die Ecke.

 

Heilsame Kleinigkeiten, die unterschätzt werden

Alle Versuche, uns (ausschlie√ülich) digital zusammenzubringen, sind doch langfristig zum Scheitern verurteilt. So jedenfalls meine Behauptung. Digitale Communities k√∂nnen allenfalls eine Weile tr√∂stlich oder unterst√ľtzend sein, ja auch hilfreich und lukrativ. Jedenfalls geben sie uns nicht das, was wir als menschliche Wesen so sehr haben wollen: echte Verbindungen. – Warum nicht?

Weil sich √ľber die Jahrtausende, kultur√ľbergreifend, wenige wirklich wichtige Dinge als nachhaltig menschlich erwiesen haben:

Zuhören, gehört und wahrgenommen werden.

Fragen stellen.

Sich mal dr√ľcken, in den Arm nehmen, einfach ber√ľhren.

Geschichten erzählen.

Voneinander lernen.

Ein Vertrag wird nicht umsonst (normalerweise) mit einem Handschlag besiegelt, auch wenn das Papier bereits unterschrieben ist. Das Papier allein reicht n√§mlich nicht f√ľr eine vertrauensvolle Partnerschaft. Ausnahmen best√§tigen die Regel.

Diese kleinen Dinge sind heilsam und funktionieren nur in der echten Welt. Von Mensch zu Mensch, ohne Filter, ohne Interface. Denn wir sp√ľren Verbindungen, wir brauchen sie. Emotionen k√∂nnen bewiesenerma√üen „ansteckend“ sein. Daf√ľr braucht es die Interaktion.

Der Klang der Stimme, die K√∂rpersprache und Blickkontakt sind ja auch √ľber Videotelefonie √ľbertragbar. Und doch gibt es noch etwas Anderes, was nicht √ľbertragbar ist: Pr√§senz. Anwesend zu sein. Nicht nur k√∂rperlich anwesend, sondern eben pr√§sent.

Wir sind eben doch vielf√§ltig miteinander verbunden. Leider sp√ľren es viele Menschen nicht mehr, weil sie zu abgelenkt sind, w√§hrend sie einsam in der Menschenmenge zum Spielzeugladen hetzen.

 

Wie können wir uns besser verbinden?

Das Meetup in Dresden zu starten war eine verdammt gute Entscheidung. Es hat mich inspiriert und √ľberzeugt, dass wir in der realen Welt mehr echte Verbindungen aufbauen k√∂nnen, als es online jemals m√∂glich sein wird.

Wenn ein Ziel aufregend und be√§ngstigend zugleich ist, dann ist es wohl einen Versuch wert‚Ķ Daher werde ich in 2019 einige Events starten. Ich werde Workshops, Seminare, Vortragsabende und mehr f√ľr Connect2Develop organisieren. Termine und Inhalte werde ich hier auf der Webseite ver√∂ffentlichen.

Lasst uns unperfekt sein. Lasst uns tiefgr√ľndige Gespr√§che f√ľhren. Wir brauchen keine gro√üen Helden. Wir brauchen nur uns. Von Mensch zu Mensch. Echt und authentisch.

Jeder hat seinen eigenen Erfahrungsschatz, manche sind ein paar Schritte weiter als die anderen, viele haben gerade erst begonnen, ihren eigenen Weg zu gehen. Wenn wir uns JETZT treffen und Verbindungen aufbauen, so haben wir die Chance, uns auszutauschen Рauf Augenhöhe, mit gegenseitigem Respekt und können, nach und nach, alle Masken ablegen.

 

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√úber den Autor: Hallo, ich bin Ben und Du findest hier sicher gen√ľgend Infos √ľber mich… ūüėČ

 

Bildquelle Titelbild: Mit freundlicher Genehmigung von Werner Schwehm

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