Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Ich möchte von vorn anfangen, am liebsten jeden Tag

0

Wer am Ende ist, kann von vorn anfangen, denn das Ende ist der Anfang von der anderen Seite

 

Ein Artikel von Melek, alias @melbgcv bei Instagram, der zeigt, wie wichtig es ist, für sich selbst einzustehen und den Neuanfang zu wagen…

Oft lese ich, wie wichtig es ist, ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen… Ich weiß nicht, wie viele Glücksbücher auch ich mir gekauft habe, bearbeitet und geführt habe… Ich bin quasi dem Glück hinterher gelaufen… Doch dabei bin ich an meinem Leben vorbeigelaufen. Denn, bedeutet leben wirklich nur glücklich zu sein? Lebt nur der, der glücklich und zufrieden ist? Was ist mit all den anderen Emotionen, wie Trauer, Wut und Angst?

 

Der Koffer mit der Vergangenheit

Ich habe schon einiges im Leben mitgemacht, so wie jeder andere auch. Jeder hat seine eigene Geschichte, jeder trägt seinen eigenen Koffer mit Erfahrungen, die sie im Leben gesammelt haben und mit Erkenntnissen, die sie im Leben wachsen ließen.

Mancher Koffer ist schwerer, und jeder empfindet seinen Koffer am schwersten. Denn jeder empfindet anders und jeder sieht die Dinge anders, was ja auch gut so ist.

Ich finde, wir brauchen Menschen, die anders sind, die anders denken, anders fühlen, anders lieben, leben und die Dinge anders sehen. Menschen, die sie selbst sind. Haben wir von „anders“ denkenden nicht am meisten gelernt?

Nichts passiert umsonst, alles hat einen Grund, auch, dass man Menschen begegnet, die uns abwerten oder nicht gut behandeln. Denn nur so lernt man sich selbst zu stärken, sich selbst ein Freund zu sein… Grenzen zu setzen…

 

Meine Lieblingsorte sind die die Wälder und ich liebe Bäume

Es gibt Bäume, die unter sehr schwierigen Bedingungen leben und wachsen, doch je schwieriger die Bedingungen sind, desto stärker und tiefer versuchen sie sich in den Untergrund zu klammern.

Dann sehe ich Bäume, die am Boden sind, oder sich hängen lassen haben, aber sie geben nicht auf, krallen sich mit allen Kräften fest, lassen nicht los, egal wie schwer die Bedingungen auch sind, sie blühen dennoch auf, genießen das Leben, die Natur und zeigen uns wie wertvoll das Leben ist.

Meiner Meinung nach haben Menschen und Bäume vieles gemeinsam. Je schwerer die Bedingungen im Leben sind, umso stärker versuchen wir uns festzuhalten, umso mehr schätzen wir das, was wir im Leben erreicht haben. Aus den schwierigsten Situationen, ziehen wir die besten Lehren.

 

Verloren

Im Januar 2018 bekam ich mein zweites Burnout. Nichts hat mehr Sinn gemacht für mich, ich war geplagt von Schuldgefühlen, Selbstzweifel, Ängsten, kurzgefasst: ich war lebendig aber tot. Ich weiß nicht, wie oft ich daran gedacht habe, mein Leben „wegzuwerfen“.

Bis ich plötzlich das Gefühl bekam, dass ich dadurch auch nicht befreit würde. Denn wenn ich tot bin, verlasse ich ja nur meine äußere Hülle, und was innen ist, nehme ich mit.

Dieser Gedanke, dieses Gefühl hat mich zum Teil wieder zum Leben erweckt. Es wurde Zeit mein Inneres zu stärken, mich anzunehmen mit all meinen Schwächen, mich zu befreien von all den Schuldgefühlen, es wurde Zeit Selbstmitleid in Selbstmitgefühl zu verwandeln.

Ich war letztes Jahr in der Reha und habe dort wundervolle Menschen kennengelernt, und viele, die berichtet haben, wie erfolgreich sie in ihrem Beruf waren aber durch Überarbeitung und teilweise persönlichen Problemen den Job verloren oder aufgegeben haben, und noch schlimmer, sich selbst verloren bzw. aufgegeben haben.

Verzweifelte Menschen, die sich wie ein „Nichts“ fühlten, wie ein „Niemand“, weil sie erschöpft waren, nicht mehr arbeiten konnten, gelähmt waren durch ihre Angst und von den Schuldgefühlen.

Das hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Denn, bin ich nur etwas Wert, wenn ich erfolgreich bin? Schätze ich mich nur, wenn ich geschätzt werde, viel Geld verdiene, schön aussehe und Anerkennung von außen bekomme?

Bin ich ein “Nichts“, nur, weil ich keine Arbeit oder keine Ziele habe? Wer bin ich, wenn ich niemand sein muss? Eine Frage, die ich auch selbst nicht beantworten konnte, denn auch ich hatte mich verloren.

 

Vergeben und neu starten

Und Fragen, wie „Warum lasse ich mich leiden? Was bringt es mir, wenn ich unglücklich bin?“, waren wie ein Schlag ins Gesicht.

Nach 7-wöchigem Reha-Aufenthalt habe ich mir ernsthaft Gedanken über mich und mein Leben gemacht.

Ich habe meine Arbeit als Versorgungsassistentin in der Arztpraxis aufgegeben, die ich geliebt habe. Nicht ganz ohne Grund, es gab Dinge, die mir im Weg standen. In erster Linie „Ich“. Der Wunsch es immer allen recht zu machen, alle glücklich und zufrieden zu stellen, perfekt zu sein, Fehler zu vermeiden, hat dazu geführt, dass ich mich selbst vergessen und verloren habe.

Dazu Arbeitskollegen und eine Chefin mit Konkurrenzangst, ständigen Konflikten unter Kollegen usw. Ich kenne keine Konkurrenz, nicht, weil ich mich besonders fühle, nein. Sondern, weil ich denke, dass jeder besonders ist, jeder seine Fähigkeiten und Stärken hat und einzigartig ist.

Heute bin ich mir selbst eine Freundin und vergebe mir, weil ich mich nicht gut behandelt habe, mich immer kritisiert und nie an mich geglaubt habe. Und ich vergebe auch all den Menschen, die mich nicht gut behandelt haben, sie wurden sehr wahrscheinlich auch seelisch verletzt und behandeln sich selbst womöglich auch nicht gut und wollten nur ihren Schmerz loswerden und haben unbewusst gehandelt.

Ich bin dankbar, dass sie in meinem Leben waren und mich so vieles gelehrt haben… Ich vergebe auch meinen Eltern, die es nicht besser wussten, und ich weiß es ja auch nicht besser… Man sagt, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Aber ich habe realisiert, dass ich kein Apfel bin, ich muss nicht alles annehmen und vor mich hin „faulen“, ich kann und möchte mich weiterentwickeln.

Ich habe endlich realisiert, dass ich nur ein Leben habe und ich habe beschlossen ein bewussteres Leben zu führen.

 

Mache Dir die Vergänglichkeit bewusst

Ich laufe nicht mehr an meinem Leben vorbei, sondern nehme alles wahr und lass es auf mich einwirken, sei es gut oder schlecht. Alles hat einen Grund, auch die schlechten Tage. Vor allem die schlechten Tage, denn all die Schwierigkeiten waren wirklich eine Gelegenheit, etwas über mich selbst zu lernen, von dem ich nicht wusste, dass ich es besitze.

Und so wie die Bäume starke und tiefe Wurzeln bei Sturm und Regen bilden, so entwickeln Menschen durch Verzweiflung und schwierigen Situationen eine innere Stärke, eine seelische Widerstandsfähigkeit.

Diese Erkenntnisse waren sehr schmerzhaft. Aber nicht jeder Schmerz ist schlecht, so wie eine heilende Wunde manchmal schmerzt, schmerzt auch eine verwundete Seele, die heilt. Und manche Schmerzen sind wirklich hilfreiche Signale.

Die Zeit läuft… Nichts bleibt. Alles ist vergänglich. Nichts ist von Dauer in dieser Welt. Auch meine Zeit ist begrenzt.

„Bitte mach dir nicht ständig Sorgen um dieses und jenes“, schrieb Robin Williams, “denn am Ende hat keiner von uns wirklich viel Zeit auf dieser Erde. Das Leben ist vergänglich“!

Ja, das Leben ist vergänglich und ich ging seit Jahren an meinem Leben vorbei…

Manchmal gibt es Zeiten, in denen unser Körper und unsere Seele nicht mehr in der Lage sind zu handeln, man das Gefühl hat nicht mehr zu leben, sondern nur noch zu existieren. Aber vielleicht muss genau das passieren für einen Neuanfang?

 

Einen Neuanfang wagen

Man sagt: „Wer am Ende ist, kann von vorn anfangen, denn das Ende ist der Anfang von der anderen Seite“.

Ich möchte von vorn anfangen, am liebsten jeden Tag.

Wie Paulo Coelho schrieb: „Ich werde mich nicht mehr über mein Leben beklagen und darüber, dass sich nie etwas ändert. Denn ich werde den morgigen Tag erleben, als wäre er der erste!“

Ich möchte auch all die Tage erleben, als wären sie die ersten in meinem Leben… Ich möchte jeden Morgen die Musik der Vögel hören, möchte jeden Tag in den Himmel schauen, die Wolken, die Sonne, den Regen wahrnehmen, staunen wie die dunklen Wolken vorbeiziehen und der blaue Himmel wieder zum Vorschein kommt.

Ich möchte abends die Sterne betrachten, ich möchte all die wunderbaren Momente genießen und versuchen alles was mir nicht guttut, zu vermeiden… Ich möchte nicht mehr nur für Andere leben, mich nicht für andere opfern, ich möchte mein Tun, mein Sein wahrnehmen und mein „Ich“ leben.

Ich möchte lieben, lachen, weinen, mich aufregen und ab und zu auch verzweifelt sein. Ich möchte Leben mit allem was dazugehört. Denn, was bleibt am Ende schon von mir übrig, wenn ich die Welt verlasse? Was will oder kann ich am Ende mitnehmen?

Dankbarkeit, Gelassenheit, Mitgefühl und Akzeptanz aller Geschehnisse im Leben, das wünsche ich mir und allen Menschen in dieser Welt.

 

——————————

Über den Autor: Hallo! Ich bin Melek, 35 Jahre jung, Mutter eines Jungen (8 Jahre), lebe im Saarland und habe bis 02/2018 als nicht ärztliche Praxisassistentin gearbeitet. Zurzeit mache ich eine Weiterbildung zur medizinischen Schreibkraft und möchte anschließend eine Ausbildung als Ergotherapeutin beginnen. Ich liebe es, mit Menschen zu arbeiten, und tiefgründige Gespräche mit Menschen zu führen, sie zu inspirieren und ihnen Mut zuzusprechen. Auf meinem Lebensweg, durch meinen Beruf und den vielen Kontakten mit Menschen, konnte ich viele Erfahrungen und Erkenntnisse sammeln. Ich durfte vielen Menschen zuhören und bin dankbar, dass sie mir vertrauten und mich an ihrem Leben teilhaben ließen. Mein Ziel ist es, ein bewussteres Leben zu führen, viel mehr wahrzunehmen, nicht taub und blind durch das Leben zu laufen, sondern mit all meinen Sinnen zu leben, zu sehen, zu hören, meine Gefühle wahrzunehmen und zu verstehen was mir meine Seele mir zu sagen hat.

Vielen Dank fürs Lesen und ich möchte mich auch bei Ben bedanken, dass ich meine Geschichte hier teilen durfte. Und danke auch all den anderen, die ihre Geschichte geteilt haben. Denn „Teilen ist der Wert, der die Zukunft positiv beeinflussen wird“ (Zitat von Monika Minder).

 

——————————

Bildquelle: Titelbild Franz-Patzal, pixelio.de

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.