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Wenn Du es eilig hast, gehe langsam

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Neues von der Ausprobierer-Front – über Ziele und wieso Umwege manchmal Abkürzungen sind

Ein Artikel von Ben: Tja, jetzt haben wir hier schon zwei Blogartikel über Ziele. Da konnte ich mir den nachfolgenden Text nicht verkneifen. Ziele sind wichtig! Sie bieten Richtung, Sinn und Aussicht auf Erfolg. Wenn aber der Weg zum Ziel keinen Spaß macht, dann wird das Ergebnis die vielen Anstrengungen meist nicht wiedergutmachen können. Und wenn sich eine Sache als Sackgasse erweist, dann lass es bleiben. Sei mutig und hör auf. Manchmal muss man auch Umwege nehmen. Dort findet man oft schöne Dinge, die man auf dem anderen Weg niemals finden würde. Sollte man durch Kursänderungen das alte Ziel verfehlen oder nur streifen, ist das Ergebnis dann weniger wert?

 

Meine Seele ist in Eile

Entscheiden, Entscheiden, und immer so weiter

Ich muss das tun, was mir JETZT wirklich wichtig ist. Denn die Kraft und die Zeit reicht nur für wenige große Projekte. Ich merke, wie lange mein „Werden“, mein Prozess, braucht. Angesichts der vielen Jahre, in denen ich mich verloren habe, auch kein Wunder.

Meine kleineren Vorhaben laufen ja schon nebenbei. Ein Scannerleben ist nicht einfach. Ich mag es nicht, in dieser Schublade zu sitzen, zwischen Socken und Unterhemden. Aber ich kann es nicht von der Hand weisen, dass ich ständig alles Mögliche ausprobieren will, während super viele Dinge mich nicht mal peripher tangieren…

„Kann der sich denn nicht einfach mal entscheiden!?“ – Nein, kann ich nicht. Meine persönliche Situation ist nicht so einfach. Merket auf: Vieles ist ja super gut, wie es ist. Und da muss ich mir schon gut überlegen, wogegen ich das eintausche. Zu lange zu warten ist auch kacke, keine Frage. Meine Erfahrung lehrt mich, dass jeder Vorteil woanders Nachteile mit sich bringt. Also: Ausprobieren und entscheiden.

 

Mach Dir bewusst, dass Du sterblich bist

Nimm Dir mal einen Zollstock (einen Gliedermaßstab) zur Hand und breche vier zusammenhängende Glieder ab. Das sind knapp 80cm. Die entsprechen so grob unserer Lebenserwartung in Jahren.

Als nächstes malst Du mit einem Stift bei Deinem aktuellen Alter in Zentimetern einen Strich darauf. Jetzt einen zweiten Strich, bei etwa 70cm –  darüber oder darunter je nach Gefühl wo Du denkst, dass Du einfach geistig oder körperlich nicht mehr in der Lage sein wirst, Deinen Träumen nachzugehen.

Wie viele Zentimeter Leben bleiben Dir noch? 20? 30? Angenommen, ein großes Herzensprojekt dauert 3 bis 5 Jahre, bis es gut läuft. Manche werden scheitern, andere fesseln Dich vielleicht länger als gedacht. Kinder verändern sowieso alles (zum Positiven). Und Du wirst sehen, dass man wohl nichts jemals mehr bereuen wird, als die eigenen Kinder nicht ausreichend aufwachsen zu sehen.

Deine Interessen werden sich mehrfach ändern. Deine Lernfähigkeit sinkt später deutlich und alles Lernen dauert länger. (Glaube mir, ich weiß wovon ich rede…) Dafür hast Du dann Erfahrung (die heutzutage oft nicht mehr relevant ist). Dann kann man sich ausrechnen, wie viele Möglichkeiten noch für andere „große“ Dinge bleiben. Das mal als Herleitung des Eile-Gefühls, das mich unterschwellig fertigmacht.

„Man muss die verrückten Dinge tun, wenn man jung ist“ sagte Steve Jobs mal, so oder so ähnlich. Na fein. Zu spät. Ich bin nicht mehr jung. Aber: aufgewacht. Und nun erlaube ich mir, meine „Sturm- und Drangphase“ nachzuholen. Warum soll ich mich von meinem Alter in Zahlen aufhalten lassen, wenn ich mich doch nicht so fühle?

 

Das Warum ist wichtiger als das Ziel

Hinzu kommt noch das Warum oder Wozu. Mittlerweile kann ich kaum noch zählen, wie oft ich mich schon (in Gedanken und mit voller Emotion) in eine Idee verrannt habe, bis ich irgendwann merkte: oh, das ist zwar cool/lukrativ/interessant, aber es wird nicht das Grundproblem lösen: mich jetzt frei fühlen zu können und nicht erst in 7 Jahren.

Warum suche ich so nach etwas Anderem, Neuen? Einfach weil? Nein. Es geht mir darum, nicht immer nur zurückzustecken, zu bereuen, während alle anderen scheinbar gewinnen. Meine Zeit selbst einteilen zu können. Für die wichtigen Dinge. Also nicht X Stunden an einen Ort zu fahren, an dem es mir meistens nicht gefällt und dann dort den ganzen Tag zu bleiben. Freitagabends kaputt und müde zu merken, dass wieder einige Millimeter vom Lebens-Zollstock abzustreichen sind.

In dem Film „Die Stille Revolution“ sagte einer der Interviewten, dass sich für die meisten Menschen ein Job anfühle, wie eine milde Krankheit, also wie eine leichte bis mittlere Erkältung. Es sei auszuhalten, aber nicht schön. Am Wochenende erhole man sich meist so weit, dass man am Montag wieder klarkomme. Gut dass mein Job, einen hohen positiven Anteil hat!

Eat – Work – Sleep – Repeat. Ich weiß ziemlich gut, was ich nicht will. Ich weiß aber auch, dass ich es selbst in der Hand habe und es gestalten kann. Und dass viele meiner Möglichkeiten nur vorhanden sind, weil die Dinge so sind, wie sie sind.

Das Leben ist voller Entscheidungen und Kompromisse. Keine Alternative ist ausschließlich besser als etwas Anderes. Schau genau hin. Was gewinnst Du, was gibst Du auf? WAS WIRD ANDERS SEIN, WENN DU DEIN SO HEROISCHES ZIEL ERREICHT HABEN WIRST? Wozu wolltest Du nochmal die Veränderung?

 

Der Wandel ist mein ständiger Begleiter geworden

Alles fließt – Ziele sind auch unbeständig

Seit meinem „Start“ in der Persönlichkeitsentwicklung etwa 2014 habe ich viele Wandlungen meinerseits erlebt. Meine Ziele oder Visionen werden aktuell wieder etwas brüchig und zerbröseln. Das finde ich mittlerweile gar nicht mehr so schlimm. Manchmal merke ich, wie ich daran festhalten will – und das erzeugt Leiden.

Aber zumeist wird mir so klar, was ich nicht will und das erleichtert mich dann eher. Manchmal ist es auch nur das Timing.

Zum Beispiel wollte ich unbedingt diese online Community hier groß aufziehen. Vielen diese Möglichkeit bieten, sich auszutauschen. Ich habe viel Geld für Software etc. ausgegeben und auch einiges an Zeit investiert. Ich würde auch zukünftig viel Zeit dafür aufwenden müssen. Und doch merke ich, dass ich das – jetzt – nicht auf diese Weise möchte. In mir tobt dann der Rechtfertigungskampf: aber du wolltest doch blabla, aber was sollen die Leute denken blabla, aber du bist doch schon so weit gekommen blabla, aber, aber, aber.

Ganz ohne Online Community soll dieses Projekt hier auch nicht bleiben. Also werde ich mir noch etwas Zeit nehmen und entscheiden, wie das Ganze hier werden soll und kann. Bis dahin bleibt es wohl „online“ erstmal beim Blog und bei Instagram. Denn auch so bietet es Mehrwert. Das spüre ich. Ich mag die Stories und die Erfahrungen. Ich liebe die Verbindungen, die dadurch entstehen. Das hat Potenzial.

Was mir dennoch besonders wichtig ist: die Interaktion im realen Leben. Soziale Netzwerke sind toll und helfen beim Kontakte herstellen. Aber sie vertiefen sie nicht. Es fehlt ein wesentlicher Teil der Kommunikation: Mimik, Gestik, Körpersprache, Stimme, Stimmung. Und ich denke, was wir – hinter all dem Suchen – finden wollen ist: Tiefgang. Verbindung. Zugehörigkeit. Menschlichkeit. Freudentränen.

 

„Zeit die wir uns nehmen, ist Zeit die uns etwas gibt.“ – Ernst Ferstl

 

Übrigens: Ich möchte hiermit jeden geneigten Leser ganz unverbindlich einladen, mich hier in Dresden zu treffen. Bitte rechtzeitig vorher Bescheid geben! Ich freue mich auf Dich…

 

Was ich mit all dem sagen will…

Lass Dir Zeit bei Deiner „Verwandlung“. Geh die extra Meile an Umweg und genieße sie. Das ist richtig so! Ich kann es nicht beweisen, aber ich spüre es einfach. Scheiß auf diesen vermaledeiten Leistungsgedanken.

 

Wenn Du es eilig hast, gehe langsam…

 

Wer sagt, dass man seine eigenen Ziele pünktlich erreichen muss? Vielleicht muss man auch nicht immer genau wissen, was man will. Ich glaube es geht darum, später nicht so vieles bereuen zu müssen. Das bedeutet aber eben auch, dass man AKTIV sein muss. Aus Träumen müssen Taten werden. Sonst enttäuscht man sich nur selbst. Notiz an mich selbst: Kauf Dir endlich das scheiß Ticket und löse es ein.

Wird man jemals irgendwo ankommen? Ich glaube mittlerweile, dass ich niemals „Ich“ sein werde. Wir Menschen verändern uns doch ständig. Unser Umfeld ändert sich und wir mit ihm. In unterschiedlichen Lebensabschnitten haben wir jeweils ganz andere Schwerpunkte.  Neue Informationen können unsere Meinung ändern. Wir sind immer auf dem Weg. Irgendwohin. Also genieße es, zu sein und zu werden.

 

Hab den Mut, zu scheitern

„Be fearless in the pursuit of what sets your soul on fire!“ – Furchtlos zu sein, wenn Du den Dingen nachgehst, die Dich zum Strahlen bringen bedeutet auch, Deinen eigenen Weg in Deinem Tempo zu gehen. Umwege zu machen. Zu verwerfen, was nicht mehr passt. Fehler zu machen und zu lernen. Nichts ist „umsonst“ gewesen. Du findest auf diesem Weg immer mehr zurück zu Dir selbst.

Viele Projekte scheitern. Von den meisten Gescheiterten hören wir nur nichts. Andere wiederum scheitern großartig mit viel TamTam. Und das macht uns Angst: die Schande. Die Furcht, als Versager gebrandmarkt zu werden. Dabei weiß doch eigentlich niemand wirklich, was so vor sich geht. Alle haben ständig gute Ratschläge. Aber tief im Inneren wissen sie, dass sie Lügner sind.

Alle großen Errungenschaften wurden von Menschen erreicht, die mutig genug waren, es anzugehen. Von hundert Versuchen war es eben der eine, der den Unterschied gemacht hat. Die Angst ist nur im Kopf. Deshalb sind kleine Schritte, kleine Erfolge so wichtig. Sie beweisen Dir und Deiner Angst, dass ihr falsch liegt.

Meine These: Eine gute persönliche Entwicklung ist langsam, fehlerbehaftet, nachhaltig, herzlich und voller Spannung. Spannung, weil man so vieles könnte, aber niemals schaffen kann. Fehlerbehaftet, weil gerade das Scheitern uns wachsen lässt. Herzlich, weil es Dich emotional immer wieder aus der Bahn wirft. Nachhaltig, weil eine langsame Entwicklung das Gute/Richtige in Dir nährt und das nicht so Gute/Unpassende verhungern lässt.

Außerdem lohnt es sich, Ziele sequentiell, also nacheinander, anzugehen. Die Multitasking-Lüge ist ja eh schon lange enttarnt. Man muss mit seinen Kräften haushalten und möglichst eins, oder wenige Ziele „gleichzeitig“ – eher parallel – angehen. Wie Flugzeuge beim Starten: beim Abheben und bis zum Erreichen der Reiseflughöhe wird viel Kraftstoff verbraucht. Wenn es dann mal fliegt, kann man auf Autopilot schalten und es schnurrt so vor sich hin.

In diesem Sinne, starte durch und komm ins Schnurren…

 

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Über den Autor:

Ben Brunsch ist Gründer und Betreiber dieser Webseite und möchte damit einen intensiven Austausch über Persönlichkeitsentwicklung erreichen. Nach knapp 16 Jahren im Berufsleben, privaten und beruflichen Höhen und Tiefen, packte ihn der Wunsch nach Veränderung. Weil er viele verschiedene Interessen hat, zeigte sich, dass „nur“ eine klassische und geradlinige Karriere nicht die Erfüllung bringen würde. Zudem brachte eine persönliche Krise einige grundlegende Veränderungen mit sich. Er möchte seine Erfahrungen teilen und gemeinsam mit anderen nah am Leben über sich hinauswachsen.

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Bildquelle: Titelbild von Luise, pixelio.de; Bild im Text (Schnecke) von Wolfgang Dirscherl, pixelio.de

 

  1. Lieber Ben! Soooo ein guter Artikel! Kann ich alles nur so unterschreiben 🙂 Du machst es genau richtig und wie du sagst, der Blog und der Austausch auf Instagram sind definitiv inspirierend! Falls es mich mal nach Dresden verschlägt, bin ich auf jeden Fall bei einem Treffen dabei 😉

    • Ben Ben

      Hallo meine liebe Barbara!
      Ich danke Dir vielmals und Du bist hier jederzeit willkommen!
      LG
      Ben

  2. Für die Leser ohne realen Kontakt. Ich bin nun in seiner Meetup-Gruppe.
    Es ist schön dort, angenehme Stimmung, die Kraft gibt.
    Man hat jedoch nicht die Zeit, an all diese Infos zu kommen wie hier.
    Beides hat seine Berechtigung.
    Viel Erfolg, Ben

    • Ben Ben

      Hallo Thomas,
      danke für Deinen Zuspruch! Du bist definitiv eine Bereicherung für die Gruppe und ich freue mich auf unser nächstes Treffen!

      LG, Ben

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